• Diana

Vom wunden zum bunten Punkt - in 5 Schritten

Wie Du aus Deinem "wunden Punkt" in fünf Schritten einen bunten Farbklecks machen kannst




Ein Blick zurück

Meine Kindheit war vieles, aber ganz sicher kein gerader und berechenbarer Weg. Da waren Baustellen, komische Abzweigungen, Kreuzungen, Straßen ins Nichts. Entsprechend hielt es die ganze Palette an Gefühlen für mich bereit, die so eine Art von Kindheit mit sich brachte. Aufgewachsen bin ich beispielsweise in einer großen Gemeinschaft, in der sich jeder behaupten musste. Und das lag mir so gar nicht. Aber: Heute bin ich sehr froh darüber. Ganz allgemein kann ich sagen: Hätte mir das Leben nicht in frühen Jahren so viele harte Brocken serviert, wäre ich heute ganz sicher nicht da, wo ich bin.


Was ich im Laufe der Zeit gelernt habe

In unserem Schmerz liegt auch unser Entwicklungspfad. In unseren wunden Punkten findet sich Weisheit. Aus unseren Verletzungen können wir mehr über uns selbst und unseren Weg erfahren, als aus allen Büchern und Seminaren zusammen. Aber dazu müssen wir lernen, unseren Schmerz und unsere wunden Punkte als etwas Gutes, Nützliches und Wertvolles anzunehmen. Nur so können wir Frieden mit uns selbst schließen und nur so können wir die Lektionen lernen, die in unseren Erfahrungen versteckt sind.

Um aber genau diesen Schmerz zu verdrängen, betäuben wir uns, lenken uns ab und tun alles, um nicht in Kontakt mit dem zu kommen, was uns letztlich als Mensch wachsen lässt. Auch ich habe lange Zeit verdrängt. Genauer gesagt: bis ich bemerkte, dass meine Gefühle immer starrer und unbeweglicher wurden und alle Lebendigkeit und Liebe aus meinem eigenen Leben verschwanden.


Ich ging meinen täglichen Aufgaben nach, erledigte sie nach einem mehr oder weniger starren Zeitplan und hakte sie ab. Die tägliche Routine war mein Anker. Mein Hafen: Nur nicht mit mir selbst befassen …!

Dabei ist es so wichtig, sich den Schmerz zu erlauben, ihn zu spüren, ihn auszusprechen um ihn letztlich dann loszulassen.

Es geht nicht darum, jede Verletzung und jeden wunden Punkt zu Tode zu analysieren. Verstehen und Aussprechen heilen eine Wunde durchaus nicht automatisch. Manchmal passiert das. Oft aber auch nicht. Das Hineinspüren, Hinschauen und Akzeptieren ist oft nur der notwendige Anfang für einen dauerhaften Heilungs- und Wachstumsprozess. Trauen wir uns hinzuschauen. Erlauben wir uns, in Kontakt mit unserem Schmerz zu kommen.





Eine Übung: Fünf Schritte

Ich möchte Dich zu einer kleinen Übung einladen. Du brauchst dazu Papier und Stift. Wichtig: Falls Du in Psychotherapie bist, sprich bitte erst mit Deinem Therapeuten oder Therapeutin, ob diese Übung für Dich geeignet ist.


Schritt 1

Denke an einen wunden Punkt in Deinem Leben, den Du im Augenblick als schmerzhaft erlebst.


Es kann ein Erlebnis sein, dass Dich sehr getroffen hat, ein Mensch, der Dir eine Verletzung hinzufügte oder eine immer wiederkehrende Situation, bei der Du Dich am meisten über Dein eigenes Verhalten ärgerst. Wähle ein einfaches Thema. Gib Deinem Thema einen Titel und notiere Dir einige Stichpunkte, etwa „Stress mit meinem Vater“ oder „Meine Kollegen sind unfreundlich“ oder „Unwohlsein unter Menschen“ oder „Einsamkeit“.

Schritt 2

Nimm Dir ausreichend Zeit und verinnerliche den folgenden Text:

„Auch wenn es mir vielleicht schwer fällt: Ich erlaube mir für einen kurzen Augenblick, den Schmerz und die Verletzung zu spüren - nur so stark, wie ich es aushalte. Ich erlaube es mir für einen kurzen Augenblick. Der Schmerz ist sowieso da und wirkt in meinem Inneren und nimmt mir einen Teil meiner Energie. Ich lass den Schmerz einmal kurz an die Oberfläche gelangen.“


Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst, um Deinen Schmerz zu spüren und beobachte Dich dabei. Wenn es nicht sofort funktioniert, habe Geduld mit Dir. Der Schmerz war vielleicht sehr lange im Verborgenen und Du musst Dich erst daran gewöhnen diesen Schmerz bewusst zuzulassen.


Schritt 3

Schreibe Deine Gedanken und Gefühle auf.


Das Schreiben gibt dem Thema mehr Gewicht, Klarheit und Bedeutung. Bleibe ganz bei Dir und schreibe intuitiv alles auf, was gerade an Gefühlen und Gedanken kommen mag. Alles ist willkommen. Wenn Du Deinen Text durchliest, dann versuche den Inhalt einem Grundgefühl zuzuordnen, also dem Gefühl, dass am besten zum Thema passt. Vier Grundgefühle gibt es: Wut, Angst, Freude und Trauer.

Damit kommst Du schneller an Dein eigentliches Bedürfnis heran. Hinter jedem Grundgefühl steckt ein Bedürfnis:

  • Wut hat das Bedürfnis nach Anerkennung und Klarheit

  • Angst hat das Bedürfnis nach Sicherheit

  • Freude hat das Bedürfnis zu Teilen

  • Trauer hat das Bedürfnis nach Verständnis


Schritt 4

Beantworte folgende Frage: „Welches Deiner Bedürfnisse wird durch die schmerzhafte Situation nicht erfüllt?“


Schmerz entsteht, wenn eines unserer Bedürfnisse nicht erfüllt wird. Zum Beispiel das Bedürfnis nach Liebe, Geborgenheit, Anerkennung, Teil von etwas zu sein, nach Miteinander, Intimität, Gesehen werden wollen, Harmonie, Sicherheit, Schutz, Macht, Selbstverwirklichung, Klarheit.


Denk darüber nach und schreibe die nicht erfüllten Bedürfnisse auf. So bekommst Du mehr Klarheit darüber, was den Schmerz eigentlich verursacht hat und Du kannst besser verstehen, was Du für Dich brauchst. Du kannst dann dafür sorgen, dass dieses Bedürfnis auf anderen Wegen erfüllt wird. Zudem weißt Du dann, dass Du Verantwortung für Dich übernimmst und Du kannst Dir das geben, was andere Dir nicht geben können oder wollen.


Schreibe Deine Erkenntnisse und Deinen notwendigen Handlungsbedarf auf. Sie dienen Dir als Grundlage für Deine Entscheidungsfindung.


Schritt 5

Kommen wir nun zum letzten Schritt, der Deinen wunden Punkt vielleicht in einem anderen Licht erscheinen lässt. Frage Dich: „Gibt es auch etwas Positives, das mit diesem Thema in mein Leben kam? Was könnte das sein?“

Jedes Ereignis hat gute und schlechte Seiten. So bringen auch jeder wunde Punkt und jede Verletzung gute Dinge mit sich, auch wenn wir das oft erst sehr viel später erkennen. Menschen, die ernsthaft krank werden, sagen zum Beispiel oft im Nachhinein, dass ihre Krankheit ein Glücksfall war, weil sie so gezwungen waren, ihr Leben zu hinterfragen und Ihnen eine neue Richtung gegeben wurde.

Was könnte also an Deinem wunden Punkt das Positive sein:

  • Was ist daraus Gutes entstanden?

  • Was hast Du gelernt?

  • Bist Du gewachsen?

  • Wen hast Du dadurch kennengelernt?

  • Welche positiven Lebensumstände hätte es sonst nie gegeben?

Wenn Du offen und ehrlich nach dem Geschenk, dem bunten Klecks, in Deinem wunden Punkt suchst, fällt es Dir leichter, Deinen Frieden mit der schmerzhaften Situation zu machen. Und Frieden und Akzeptanz sind oft der erste Schritt, um eine Sache hinter sich zu lassen und Deine Welt bunter zu gestalten.


Wiederhole diese Übung ruhig ein paar Mal. Du wirst vielleicht merken, dass die Last immer weiter von Ihnen abfällt und Sie diesen wunden Punkt vielleicht schon bald loslassen können.

Ich hoffe, diese kleine Übung hat Dich ein kleines Stück weitergebracht. Zugegeben: Es erfordert ein bisschen Mut, sich der erfahrenen Kränkung zu stellen. Der Weg zum Glück führt durch die Angst, der Wut oder der Trauer hindurch. Also trau Dich bitte – es lohnt sich.


In der Kränkung liegt auch Weisheit. Deine Aufgabe ist es vielleicht, diese Weisheit zu entdecken und mit ihr zu wachsen, um letztendlich den Schlüssel für Deine Veränderung zu finden. Das verletzte Grundgefühl wartet darauf, von Dir gefunden zu werden.


In diesem Sinne wünsche ich Dir farbenfrohe, positive Erlebnisse!


Deine Diana

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